Das Konzept der Freifechter
Unser Ziel ist es, die Fechttechniken vergangener Zeiten
zu rekonstruieren und auszuführen. Das Wissen um diese Techniken und die korrekte Ausführung
steht dabei eindeutig im Vodergrund. Der Wettkampfgedanke spielt dabei
keine Rolle; er würde das Erfassen der Historischen Fechttechniken
in ihrer Komplexität eher stören. Viele verschiedene Techniken
sind beim Historischen Fechten zu berücksichtigen, selbst wenn
man sich auf eine Waffe (z.B. das Rapier) beschränkt. Natürlich
beherscht man keine dieser Techniken von Anfang an. 'Gewinnen' könnte
man recht bald, wenn man die ersten Techniken beherrscht, allerdings
würde man dann sein Können auf diese wenigen Techniken beschränken
und auch seinen Partner vom erlernen weiterer Techniken abhalten. Wir fechten also miteinander - nicht gegeneinander. Da wir das Lernen und Wissen als höchstes
Ziel ansehen, Wettkämpfe und Ranglisten keine Rolle spielen, sprechen
wir von 'Historischer Kampfkunst' und nicht von 'Historischem
Kampfsport'.
Da Fechten in vergangenen Zeiten in der Regel dazu diente, die Unversertheit
des eigenen Lebens zu gewährleisten, waren die Techniken so konzipiert,
daß man zunächst nicht vom Gegner getroffen wurde und man
weiterhin dessen Aktivitäten möglichst schnell und effektiv
unterbunden hat, indem man ihn Kampfunfähig machte, was meist eine
entsprechende Verletzung oder den Tod bedeutete. Auch wenn wir bei unseren
Aktivitäten von 'Kampfkunst' sprechen, so handelt es sich doch
immer noch um Kampf und ist nicht ungefährlich. Um das Risiko für
alle Beteiligten so gering wie Möglich zu halten, müssen auch
wir Kompromisse eingehen. Dank der Technik des ausgehenden 20.
Jahhunderts sind wir in der Lage, die Sicherheit durch entsprechende
Schutzkleidung und Waffen zu erhöhen, wo bei Trainingskämpfen
im 16. u. 17. Jh. spezielle Techniken (z.B. Stiche) ausgeschlossen wurden.
Die Techniken, die wir erarbeiten und vermitteln,
sind keine Phantasieprodukte - sie entstammen historischen Quellen,
die zum Teil als Lehrbuch konzipiert waren und dementsprechend detailiert
und präzise geschrieben wurden. Andere Fechtbücher waren nur
als Anhaltspunkt für den damaligen Fechtmeister während seines
Unterrichts gedacht. Die Qualität der Beschreibungen schwankt also
erheblich. Erst durch die Analyse mehrer Werke erschließen sich
die Feinheiten auch der letzten Techniken, denn egal wie ausführlich
ein Fechtbuch geschrieben wurde, es bleiben immer Quellen für Fehlinterpretationen
und Unklarheiten. Die Sprache hat sich in den vergangenen Jahrhunderten
doch erheblich geändert, ebenso wie das Allgemeinwissen und der
Zeitgeist. Was für die Menschen im 16. Jahrhundert nicht erwähnenswert
war, weil sowieso jedermann bekannt, läßt heutzutage Raum
für Spekulationen, die man nur durch weitere Quellenforschung untermauern
oder widerlegen kann und muß. Wahrscheinlich gelingt es niemals,
den Fechtstil eines Meisters aus dem Mittelalter oder Renaissance hundertprozentig
nachzustellen. Die Tradierungskette ist unterbrochen, da ältere
Fechttechniken immer neueren Waffen und den damit verbundenen Fechttechniken
weichen mußten, was schließlich zum Olympischen Fechten
führte. Wir können uns also nur bemühen, unseren bisherigen
Interpretationen aufgrund der Eigenschaften der Waffe und den vorhandenen
Quellen wieder und wieder in Frage zu stellen, um so eine größtmögliche
Annäherung an den tatsächlichen Stil vergangener Jahrhunderte
zu erreichen.
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